Informationen zum Bruttonationalglück

Das Konzept des Bruttonationalglücks

Vier Säulen bilden den Rahmen des Bruttonationalglücks (Gross National Happiness, GNH): 1. Die Förderung einer sozial-gerechten Wirtschaftsentwicklung, 2. die Bewahrung und Förderung von Kultur und Religion, 3. die Bewahrung und der Schutz der Umwelt, 4. eine gute Regierungsführung.

Die vier Säulen beinhalten wiederum neun Domänen und diese insgesamt 33 Indikatoren.

Die neun Domänen sind: 1. Psychisches Wohlbefinden, 2. Gesundheit, 3. Zeitnutzung, 4. Bildung, 5. Kulturelle Vielfalt und Resilienz, 6. gute Regierungsführung und politische Partizipation, 7. Lebendigkeit der Gemeinschaft, 8. Ökologische Vielfalt und Resilienz, 9. Lebensstandard.

Wann wurde das Bruttonationalglück entwickelt?

Wann wurde das Bruttonationalglück entwickelt?

In Bhutan wurde das Glück der Bevölkerung schon im 18. Jahrhundert als Ziel von Entwicklung und Politik definiert. Der vierte König Bhutans, Jigme Singye Wangchuck, prägte den Begriff “Bruttonationalglück” als Gegensatz zum Bruttonationalprodukt jedoch erst 1979, als er ihn in einem Interview mit einem  Journalisten zum ersten Mal erwähnte. Mithilfe des Wortspiels machte er deutlich, dass sich die Regierung Bhutans mehr für eine Mehrung des Glücks als des finanziellen Wohlstands einsetze. Das eigentliche Konzept des Bruttonationalglücks wurde 1998 ausgearbeitet.  Das Bruttonationalglück ist in Artikel 9 der bhutanesischen Verfassung verankert. 

Glücks-Befragung

Im Jahr 2008 wurde erstmals eine offizielle landesweite Bruttonationalglück-Befragung durchgeführt, um zu untersuchen, wie glücklich die bhutanesische Bevölkerung ist. Seitdem finden regelmäßig Befragungen statt. Alle BewohnerInnen Bhutans ab dem 15. Lebensjahr können daran teilnehmen. Die Fragebögen bestehen aus subjektiven und objektiven Indikatoren, wobei die objektiven wesentlich stärker gewichtet werden als die subjektiven. 

Die Hinlänglichkeitsschwelle wird für jeden Indikator individuell festgelegt und besagt, welcher Wert mindestens erreicht sein muss, um als glücklich zu gelten. Die Glücklichkeitsschwelle wiederum legt fest, dass ein Mensch als glücklich beschrieben werden kann, wenn er in mindestens sechs Domänen die Hinlänglichkeitsschwelle erreicht. 

8000 “Glücksforscher” untersuchen das Glück in Bhutan. Sie befragen etwa 7000 Menschen. Insgesamt werden  jeweils 1000 Fragen, davon 270 Hauptfragen beantwortet, ein Interview dauert etwa 3 Stunden.

Hier können Sie den gesamten GNH Fragebogen einsehen.

Ergebnisse aus den Befragungen

Die letzte Befragung im Jahr 2015 zeigte, dass 8,4 % der Bevölkerung als besonders glücklich gelten, 35 % als weitestgehend glücklich, 47,9 % als eingeschränkt glücklich und 8,8 % als unglücklich. Der Glücksindex hat sich im Vergleich zur vorherigen Befragung im Jahr 2010 um 1,7 % verbessert. 

Am schlechtesten waren die Ergebnisse in den Bereichen Bildung und gute Regierungsführung. Im Bereich Bildung erreichten mehr als die Hälfte der Bevölkerung mindestens drei von vier Indikatoren nicht. Faktoren wie Einkommen, Wohnort oder Bildungsgrad wirken sich unterschiedlich auf das Glücksempfinden aus: 

Pro-Kopf-Einkommen: Es lässt sich kein direkter Zusammenhang zwischen dem Pro-Kopf-Einkommen und dem Glücksindex feststellen, jedoch sind diejenigen, die ihre Grundbedürfnisse nicht befriedigen können in der Regel weniger glücklich.

Wohnort:  55 % der städtischen Bevölkerung wurden als glücklich eingestuft, jedoch nur 39 % der Bevölkerung auf dem Land. Die Diskrepanz zwischen Stadt und Land hat sich im Vergleich zur Befragung 2010 noch vergrößert. 

Geschlecht: 51 % der männlichen und 39 % der weiblichen Bevölkerung wurden als glücklich eingestuft. Im Vergleich zu 2010 hat sich die Diskrepanz jedoch verringert. 

Beruf: In dem Bereich zeigen sich besonders deutliche Unterschiede. Während nur 33 % der Bauern als glücklich eingestuft wurden, erreichten 72 % der Beamten einen hohen Glücksindex. 

Bildung: Je höher der Bildungsgrad, desto höher der Glücksindex bei der Bevölkerung in Bhutan. Am unglücklichsten waren die Menschen ohne jegliche formale Bildung. 

Hier können Sie die Ergebnisse aus den Befragungen nachlesen.