Hintergrund

Im Osten Tibets ist der Anteil der Analphabeten in der Bevölkerung sehr hoch. Besonders die Kinder der Nomadenfamilien haben oft nicht die Möglichkeit, eine Schule zu besuchen. Hauptgrund hierfür sind die extrem hohen Schulgebühren, insbesondere an weiterführenden Schulen. Der Besuch einer Oberschule beispielsweise kostet im Halbjahr umgerechnet ca. 300 Euro bei bei einem durchschnittlichen Jahreseinkommen einer Nomadenfamilie von etwa 400 Euro. Zudem befinden sich die meisten Mittel- und Oberschulen in größeren Ortschaften. Die Nomadenfamilien leben in der Regel mehrere Autostunden entfernt, entsprechend müssen die Kinder auch in den Schulen wohnen. Für die Familien fallen also nicht nur Schulgebühren sondern außerdem Beiträge für Unterkunft und Verpflegung an. Entsprechend ist es für sie unmöglich, ihre Kinder auf eine weiterführende Schule zu schicken.

Ohne eine gute Schulausbildung finden die tibetischen Jugendlichen jedoch keine Arbeit. Die Lage wird durch die starke Zuwanderung noch verschärft. Um die chinesischen Siedler zu einer Umsiedlung in das unwirtschaftliche Tibet zu motivieren, werden sie von der Regierung finanziell unterstützt. Aufgrund der Besserstellung der Zusiedler können deren Kinder fast immer weiterführende Schulen besuchen. Dies hat zur Folge, dass sie bei der Arbeitssuche weitaus bessere Chancen haben als die Lokalbevölkerung. Die Nomaden werden immer mehr an den Rand der Gesellschaft gedrängt und führen häufig ein Leben in größter Armut.

Tibetische Mittel- und Oberschulen

In der Autonomen Präfektur Kandze in Kham gibt es einige spezielle tibetische Mittel- und Oberschulen. Während an den “normalen” staatlichen Schulen in Tibet Chinesisch die Hauptunterrichtssprache ist, wird hier fast ausschließlich auf Tibetisch unterrichtet. Neben regulären Fächern wie Geschichte, Biologie und Informatik werden hier auch “typisch tibetische Fächer”, wie beispielsweise tibetische Semantik”oder “buddhistische Religion” unterrichtet. Die Vermittlung von tibetischen Sitten und Gebräuchen bildet einen Bestandteil des Unterrichts. Ein Großteil der Lehrerschaft an diesen Schulen ist tibetisch und naturgemäß sind auch die Schülerinnen und Schüler an den tibetischen Schulen fast ausschließlich Tibeter.